Von der Idee zur Story – Wie entsteht unser jährliches Halloween-Motto?

Schreibtisch mit aufgeschlagenem Notizbuch und Skizzen von Horror-Figuren, im Hintergrund Andeutungen eines Spukhauses, beleuchtet von einer einzelnen Kerze. Ein Halloween Motto wird geschrieben.

Ein Blick hinter die kreativen Kulissen von vb30 – und wie jedes Jahr ein neues Motto für unser Halloween-Haus entsteht.


Es ist der 1. November. Die letzte Nebelmaschine ist immer noch nicht zurück in ihrer Kiste, draußen liegen halbabgebaute Grabsteine im Garten, und im Wohnzimmer riecht es nach Kunstblut und kaltem Kaffee. Ein Besucher hat sich beim Verabschieden noch einmal umgedreht und gefragt: „Und was kommt nächstes Jahr?“

Ich lache. Ich habe keine Ahnung.

Zwölf Stunden später, irgendwann zwischen Aufräumen und Einschlafen, schießt mir der erste Funke durch den Kopf. Eine Stimmung. Ein Bild. Ein Wort. Manchmal nichts weiter als ein Gefühl, das ich nicht wieder loswerde – und an dem ich dann ein Jahr lang ziehe, drehe, weiterbaue, verwerfe und neu zusammensetze, bis daraus ein Albtraum wird, durch den man laufen kann.

So entsteht jedes Jahr aufs Neue das Motto unseres Halloween-Hauses. Und weil mich diese Frage immer wieder erreicht, nehme ich Dich heute mit auf diese Reise – ohne die Geheimnisse zu verraten, die Dich Ende Oktober erwarten.


Der Funke: Wo ein Halloween-Motto aufhört und echte Geschichten anfangen

Eine gute Halloween-Story beginnt selten am Schreibtisch. Sie beginnt mit einer Frage, die mich nicht in Ruhe lässt.

Mal ist es eine alte Sage, die ich beim Stöbern in regionalen Chroniken entdecke und die niemand mehr erzählt. Einmal ist es ein Bild aus einem Traum, das morgens nicht weichen will. Dann ist es ein Spaziergang durch den Wald an einem grauen Nachmittag und der Gedanke: Was, wenn dort hinter dem nächsten Baum etwas steht, das schon immer dort stand?

Diese Funken sind selten spektakulär. Sie sind klein, leise, fast unscheinbar. Aber wenn sie hartnäckig genug sind, um mich nach einer Woche immer noch zu beschäftigen, dann weiß ich: Das wird etwas.

Manchmal kommt der Funke aus der Region. Norddeutschland ist voller Sagen, die kaum jemand kennt – Wassergeister, kopflose Reiter, ruhelose Grenzgeister im Moor. Diese Wesen leben im kollektiven Gedächtnis unserer Heimat, und sie verdienen eine Bühne. Eine schaurige. Manchmal kommt der Funke auch aus etwas ganz anderem: einem alten Buch, einem Märchen, einer Erinnerung an Kindheitsängste, die plötzlich wieder Sinn ergeben.

Wo immer der Funke herkommt – er ist der Anfang.


Vom Funken zum Konzept: Die schwierige Mittelphase

Zwischen Funken und fertiger Story liegen Monate, in denen die meiste Arbeit unsichtbar passiert.

Ich lese. Viel. Historische Quellen, Volksglauben, regionale Chroniken, Originaltexte. Ich höre Hörbücher beim Pendeln und mache mir nachts Notizen auf dem Handy, die ich morgens manchmal selbst nicht mehr entziffern kann. Tausche mich mit anderen Pro-Haunters der Haunted Attraction Association aus. Ich gehe spazieren und stelle mir vor, wie es wäre, einer bestimmten Figur im dunklen Wald zu begegnen. Was sagt sie? Wie steht sie? Was riecht man, bevor man sie sieht?

Aus diesem Material destilliere ich Szenen. Und hier passiert etwas, das mir wichtig ist: Jede Szene muss eine Wahrheit erzählen, die größer ist als der Schrecken selbst. Eine Hexe ist nur eine Hexe, wenn sie ein Versprechen einlöst. Ein Geist ist nur ein Geist, wenn er etwas Vergessenes zurückfordert. Eine alte Geschichte ist nur dann gefährlich, wenn sie eine Lüge enthält.

Wenn das funktioniert – wenn die Figur über die reine Kostümierung hinaus eine Bedeutung trägt – dann habe ich den Kern.


Wer das Halloween Motto hat, hat noch keine Story

Eine Story ist mehr als eine Aneinanderreihung gruseliger Stationen. Das ist der Punkt, an dem viele Spukhäuser scheitern: Ein Vampir neben einem Clown neben einem Frankenstein-Monster – und nichts hält das zusammen.

Bei uns muss alles in einen Erzählbogen passen. Es gibt einen Einstieg, der Dich in eine andere Welt zieht. Es gibt einen Verlauf, in dem die Bedrohung wächst. Und es gibt ein Ende, das Dich verändert in die echte Welt zurückentlässt. Du sollst nicht denken: Das war ein guter Garten mit Deko. Du sollst denken: Ich war kurz weg.

Damit das gelingt, schreibe ich einen ausführlichen Ablaufplan. Eine Art Drehbuch, das die Reise der Besucher Schritt für Schritt durchgeht: Welche Figur taucht wann auf? Was sagt sie? Bekommen die Besucher etwas in die Hand? Was nehmen sie mit? Was passiert am Übergang zwischen zwei Szenen? Wo ist die Stille, in der die Angst wachsen kann?

Erst wenn dieser Plan steht, beginnt die zweite große Phase: das Team.


Vom Konzept zur Wirklichkeit – das ist Teamarbeit

Hier wechsele ich vom Ich zum Wir, denn ohne unsere Crew wäre das alles nur Papier.

Unsere Crafties übersetzen meine Skizzen in begehbare Welten – sie bauen Wände, Säulen, Tore, Höhlen aus Holz, Stoff und Schaum. Die Techies sorgen dafür, dass Licht, Sound und Animatronics millisekundengenau das tun, was sie tun sollen. Scaries hauchen den Figuren Leben ein – sie sind es, die aus einem Kostüm eine Erscheinung machen. Und unsere Greeties und Sweeties stellen sicher, dass die Reise von der ersten Sekunde an stimmt.

Jeder dieser Menschen liest den Plan. Jeder darf widersprechen. Und jeder findet Dinge, an die ich nicht gedacht habe. Eine Story wird im Kopf eines Einzelnen geboren – aber sie wird erst in den Händen vieler lebendig.

Welche Geschichte uns gerade beschäftigt und worauf Du Dich bei Deinem nächsten Besuch einstellen kannst, findest Du auf vb30.de/die-story.


Warum wir keine Twists verraten

Eine letzte Sache, weil mich das immer wieder gefragt wird: Warum erzähle ich Dir hier nicht einfach vorher, was Dich erwartet?

Weil es nur einmal funktioniert. Eine wirklich gute Horror-Geschichte lebt davon, dass Du mit einer Erwartung kommst – und sie unter den Füßen weggezogen bekommst. Wenn ich Dir vorher sage, wo der Boden bricht, brichst Du nicht mehr ein. Und das wäre Diebstahl an Dir.

Was ich Dir verspreche: Was Du in unserem Garten erleben wirst, hat einen Plan. Eine Bedeutung. Einen Zweck. Und ein Ende, das Du Dir vorher nicht zusammenreimen kannst.

Bis dahin – schreib mir, wenn Du eine Frage hast. Und wenn Dir bei Spaziergängen durch den Wald auf einmal ein bestimmter Geschmack auf der Zunge liegt, ein Bild im Kopf, eine Stimme, die nicht zur Geräuschkulisse passt: Dann weißt Du, wo Du herkommst.

Wir haben News, die garantiert zum Gruseln sind.

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