Out of the Further: Warum der neue Insidious eigentlich ein Conjuring-Film ist

Insidious: Out of the Further - Ab August 2026 im Kino

Seit ein paar Tagen ist der erste Trailer zu Insidious: Out of the Further draußen. Oberflächlich kriegt man genau das, was man von der Reihe kennt: zuckende Dämonen, ein Jumpscare im Zahnarzt-Stuhl (okay, der sitzt), Lin Shaye ist wieder dabei, und irgendwo im Hintergrund lauert Tiny Tim mit „Tiptoe Through the Tulips“. Ab dem 21. August im Kino, alles wie gehabt.

Nur dass es eben nicht wie gehabt ist. Mir ist beim Schauen was aufgefallen, das ich nicht mehr aus dem Kopf kriege. Ich glaube, wir gucken hier weniger auf einen neuen Insidious-Film und mehr auf den Versuch, die Conjuring-Formel in ein günstiger produziertes Franchise zu verpflanzen.

Worum es geht: Zwei Franchises, zwei komplett verschiedene Ansätze

Kurz für alle, die nicht seit 2010 jeden Teil gesehen haben. Die beiden großen Horror-Reihen von James Wan haben sich immer klar voneinander getrennt.

Bei Conjuring dringen Dämonen in unsere Welt ein. Verfluchte Häuser, besessene Puppen, ein Kloster voller böser Nonnen. Die Warrens kommen, bringen Kruzifixe und Weihwasser mit, und am Ende gibt’s einen Exorzismus. Alles „basierend auf wahren Begebenheiten“, alles geerdet und religiös gerahmt. Sowas wie Akte X, nur katholisch.

Insidious lief immer andersherum. Nicht das Böse kommt zu uns, sondern wir gehen zum Bösen. Das zentrale Ding ist „The Further“, eine Art Astral-Zwischenwelt voller verlorener Seelen. Die Lamberts haben die Fähigkeit zur Astralprojektion geerbt, und die Gefahr ist, dass man im Jenseits stecken bleibt. Weniger Ermittler-Horror, mehr Fiebertraum.

Also: Conjuring geht nach außen (Exorzismus), Insidious geht nach innen (Seelenreise). Das war über viele Filme und ein gutes Jahrzehnt die klare Abgrenzung.

Was der neue Trailer damit macht

Die Prämisse von Insidious: Out of the Further geht aber so: Amelia Eve spielt Gemma, junge Mutter, wächst im alten Familienhaus auf, entdeckt, dass sie ins Further reisen kann. Soweit noch klassisch Insidious. Aber dann der Twist: Gemma kann nicht nur rein, sie kann auch rausholen, was dort lebt. Und sobald die Dämonen das kapieren, machen sie sich in unserer Welt breit.

Das Further blutet in die Realität rein. Der ursprünglich geplante Filmtitel war übrigens The Bleeding World, was es ziemlich gut auf den Punkt bringt.

Und genau hier wird es interessant. Denn „Dämonen kommen in die reale Welt und terrorisieren eine Familie in ihrem Haus“… das ist nicht die Insidious-Formel. Das ist Conjuring. Die Richtung hat sich umgedreht.

Warum ich glaube, dass das Kalkül ist

The Conjuring: Last Rites lief letztes Jahr als großes Finale der Warren-Saga. Die Haupt-Reihe ist damit erstmal durch. Aber das Conjuring-Publikum, das Bock auf Dämonen-im-Wohnzimmer-Horror hat, verschwindet ja nicht einfach. Und ich denke, genau die sollen jetzt bei Insidious landen.

Ein paar Sachen, die mich in der Richtung stutzig machen:

Das Kreativteam riecht nach Conjuring. Die Story für Out of the Further stammt von Regisseur Jacob Chase zusammen mit David Leslie Johnson-McGoldrick. Der Name sagt euch vielleicht nichts, aber das ist der Typ, der The Conjuring 2 mitgeschrieben hat und eigentlich für den vierten Teil gesetzt war. Dazu produziert James Wan persönlich über Atomic Monster. Also im Grunde ein halbes Conjuring-Team, das jetzt Insidious dreht.

Die Handlung klingt nach Franchise-Wechsel. Junge Mutter, Haus aus der Kindheit, Dämonen materialisieren sich in der echten Welt, die Familie muss beschützt werden. Klingt das nach den Lambert-Astralreisen der ersten Teile? Nicht wirklich. Das klingt nach Annabelle. Oder eben nach Conjuring. Die Insidious-Mythologie (The Further als Konzept, Elise Rainier als Medium) bleibt erhalten, klar. Aber die Mechanik, wie das Böse funktioniert, ist importiert.

Und dann die Zahlen. Das Conjuring-Universum hat über neun Filme hinweg rund 2,3 Milliarden Dollar eingespielt, also im Schnitt etwa 255 Millionen pro Film. Insidious steht bei fünf Filmen und circa 731 Millionen, macht ungefähr 146 Millionen pro Stück. Conjuring ist also beim reinen Umsatz klar vorne.

Aber jetzt kommt’s: Die Insidious-Budgets lagen immer zwischen 1,5 und 16 Millionen Dollar. Bei Conjuring waren es 20 bis 55 Millionen. The Red Door hat 2023 mit schlanken 16 Millionen Budget fast 190 Millionen eingespielt, und das noch mit dem alten Astral-Modus, der weniger Mainstream-tauglich ist als die Conjuring-Invasionsformel. Wenn man jetzt die breitere Formel auf die schlankere Kostenstruktur legt, werden die Margen absurd gut.

Der Merger macht’s möglich. Was in der ganzen Diskussion oft untergeht: Blumhouse und Atomic Monster haben Anfang 2024 fusioniert. Blumhouse war traditionell das Insidious-Studio, Atomic Monster die Conjuring-Schmiede von James Wan. Die gehören jetzt zusammen, aufgeteilt zwischen Blum, Wan und Comcast. Conjuring und Insidious sitzen damit nicht mehr bei verschiedenen Studios, sondern sind zwei Marken im selben Portfolio. Die Conjuring-Formel auf Insidious zu übertragen ist also eine hausinterne Entscheidung, bei der man die ganzen Erfahrungswerte aus 2,3 Milliarden Dollar Conjuring-Umsatz direkt mitnehmen kann.

Was ich mir davon erwarte

Rein wirtschaftlich ergibt das alles Sinn. Conjuring-Zuschauer auf Insidious-Budgets umleiten, die bewährte Invasions-Mechanik auf ein Franchise mit besserer Kostenstruktur anwenden, und das Ganze von einem Team steuern lassen, das nach dem Merger beide Welten von innen kennt. Aus Sicht der Buchhaltung ist das vermutlich ein Traum.

Ob es auch filmisch aufgeht, ist eine andere Frage. Was Insidious immer besonders gemacht hat, war diese fiebrige, traumlogische Qualität. Die Further-Szenen in den ersten Teilen fühlten sich an wie ein Albtraum, nicht wie ein Spukhaus-Film. Wenn das jetzt ins bodenständigere „Dämon steht neben deinem Bett“-Schema gepresst wird, könnte genau die Eigenart verloren gehen, die das Franchise überhaupt erst von Conjuring unterschieden hat.

Im August sehen wir, was draus geworden ist. Bis dahin bleibt mein Eindruck vom Trailer: sieht aus wie Insidious, fühlt sich an wie Conjuring. Und irgendwo sitzt jemand bei Blumhouse-Atomic Monster vor einer Tabellenkalkulation und grinst.

Wer übrigens ein Franchise erleben will bei dem es jedes Jahr eine komplett neue Story gibt, der besucht zu Halloween natürlich das erfolgreiche vb30 Gruselhaus in Boostedt. Logisch.

Wir haben News, die garantiert zum Gruseln sind.

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